Augenblicke #5

Februar 6th, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Never forget the youth who’ve fallen

Dezember 15th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Augenblicke #4

November 30th, 2011 § 3 Kommentare

Bitte den Optiker aufsuchen

November 17th, 2011 § 1 Kommentar

Vielleicht erinnert sich noch der ein oder andere an eine fanatische Forderung der Unionsfraktion von 2008. Damals haben die Unionsparteien den Versuch unternommen auf Kosten Jugendlicher mit Migrationshintergrund Wahlkampf zu führen. 2008 standen nämlich viele Landtags- und Kommunalwahlen in Deutschland an, woraufhin sich die Union über das Thema Jugendkriminalität profilieren wollte. In rechten Tönen hat man gegen kriminelle Ausländer gewütet und sogar vorgeschlagen solche in „Erziehungs-Camps“ zu stecken.

Die gegenwärtige Diskussion um den verspätet aufgedeckten Nazi-Terror in Deutschland hat mich genau an diese Forderung der Union erinnert.
Wir haben heute eine Ministerin die dem „Bundesprogramm gegen Rechtsextremismus“ die Finanzmittel kürzt, obwohl die Ausländerfeindlichkeit insgesamt zunimmt. Frau Schröder, die auch mit Familienministerin und Fehlbesetzung Schröder betitelt wird, verharmlost gerne die braune Gefahr in Deutschland und lenkt den Fokus lieber auf die linke Szene oder thematisiert die vermeintlich wachsende Deutschenfeindlichkeit. Äußern will sich diese zu den aktuellen Nazi-Morden aber nicht. Dafür sei sie nicht zuständig.
Ebenso gehen führende Politiker aus “Volksparteien” mit einem rechten Tenor auf Stimmenfang. Bayerns Ministerpräsident Seehofer erklärt Multikulti für tot und auch für Kanzlerin Merkel ist dieser „absolut gescheitert“. Die Bemühungen des Bundespräsidenten dagegen auch andere Religionen als Teil dieses Landes mit einzubeziehen werden von einem großen öffentlichen Protest begleitet.

Auf der anderen Seite der Verfassungsschutz. Während man in den letzten Jahren fast jede muslimische Organisation beobachtet, soll dieser angeblich von der NSU im Zusammenhang mit den Nazi-Morden der letzten zehn Jahre wenig mitbekommen haben, geschweige denn etwas dagegen unternommen. Wie denn auch, wenn der ehemalige Vorsitzende in Thüringen selbst mit der rechten Szene sympathisiert haben soll?

Gerade Deutschland mit einem dunklen Kapitel in seiner Geschichte macht Schlagzeilen wegen rechtsextremistischem Terror. Gerade in diesem Land scheinen viele auf dem rechten Auge blind zu sein. Vermutlich bei einigen Zuständigen sogar mit Absicht. (Deswegen die Anspielung auf den Optiker im Titel) Und es sind auch wieder die deutschen Medien und die deutsche Presse die bei diesem Skandal über “Döner-Morde” berichten und so rechte Gewalt auf den “Döner” reduzieren.

Heute frage ich mich ernsthaft, wo die schweigende Mehrheit bleibt die ja so lautstark hinter der Witzfigur Sarrazin stand? Wo bleibt ihre Empörung? Haben wir aus unserer Geschichte nicht gelernt, dass Schweigen billigen heißt?
Um auf die Erziehungs-Camps wieder zurück zu kommen. Ich erwäge den Vorschlag viele Politiker, sogar ganze Parteien und potenzielle Kandidaten mit Aussicht auf einen Posten im Verfassungsschutz in solche Camps zu stecken mit den Pflichtfächern Toleranz und Entnazifizierung21.

»Wer aus der Geschichte nicht lernt, der ist dazu verdammt sie zu wiederholen.«
Bertolt Brecht

Die Braut hat die Brücke passiert

November 13th, 2011 § 1 Kommentar

In den frühen Morgenstunden im Elternhaus angekommen begrüßt mich eine ungewohnte Stille. Mein Großvater poltert mit schliefender Nase von einem Raum ins andere. Seine Trauer sieht man ihm deutlich an. Im Wohnzimmer sehe ich meinen Vater und Onkel auf der Couch fast sitzend schlafen. Ich wecke sie nicht. Denn in einer Stunde geht es bereits weiter gen Flughafen.

Nach dem Tod meiner Großmutter bin ich aus dem deutschen Süden schnell in die Dortmunder Heimat angereist. Weil Großmutters Bestattung in der Türkei stattfinden soll steht in wenigen Stunden der Flug für die ganze Familie in die Türkei an. Das bisschen Zeit, was mir noch bleibt, nutze ich aus um zu packen und mich mit Mama auszutauschen. Denn nach der Auskunft meines Vaters, dass Großmutter verstorben ist und ich Heim kommen soll, sind sehr wenige Worte gefallen. Ich habe mich in dieser Situation nicht getraut nachzufragen.

Vor der anstehenden OP soll Großmutters Herz versagt haben. Dann war sie plötzlich weg, erzählt mir Mama. Noch vor ihrer OP soll Großmutter fit gewirkt, jedem ein Lächeln geschenkt haben. Sie habe getanzt und gesungen. Als man sie zuletzt mit ihrem Bett in den OP-Raum schob, soll sie mit einem weißen Tuch gewedelt haben. Das Lied was sie sang ist ein türkisches Volkslied “Köprüden geçti gelin”, was frei übersetzt so viel wie “Die Braut hat die Brücke passiert” heißt.
Meine Tante erzählt mir, dass meine Großmutter in einem Gespräch mit ihr paar Stunden vor der OP noch erzählt habe, dass ihre Mutter (die verstorbene Mutter der Tante) dar gewesen ist und sich mit ihr unterhalten habe. Gruselig wirkt das ganze auf mich. Es war ein Zeichen, dass sie bald abgeholt wird, ist sich meine Tante sicher.

Am Flughafen treffen wir weitere Verwandte die mitfliegen werden. Alle umarmen sich weinend, wissen kaum wie sie ihre Trauer ausdrücken sollen. Überhaupt fallen wenige Worte. Dafür umso mehr Tränen.
Nach der schlaflosen Nacht und einem unbequemen Flug soll ich nach über drei Jahren zum ersten Mal wieder das Land meiner Wurzeln betreten. Traurig ist der Anlass dieses Besuchs. Beim Verlassen des Flugzeugs schaue ich mich rechts und links genau um. Erblicke wieder die Berge und Hügel – ein freundlicher Sonnenschein begrüßt uns. Meine Nase nimmt den Gestank wahr der durch die Abgase der Fabriken verursacht wird. Selbst den scheine ich vermisst zu haben. Nach dem ich auch die letzten Treppenstufen passiert habe betrete ich wieder türkischen Boden. Es ist ein großer Augenblick und ich kann mich gegen die Tränen die mir die Wangen herunterlaufen kaum wehren.

Das Leben geht weiter

Oktober 19th, 2011 § 3 Kommentare

Ich bin erleichtert, dass ich einen weiteren anstrengenden Unitag endlich hinter mir habe. Weil mir die Kälte zu schaffen macht kuschel ich mich immer weiter in meinen Mantel rein. Ganz gelassen sitze ich auf der Fähre Richtung Heimweg.

Nach einem Blick auf mein Handy sehe ich, dass mein Vater bereits zweimal versucht hat mich anzurufen. Wahrscheinlich hat er mich zu Hause nicht erreichen können. Und ruft jetzt deswegen auf mein Handy an, denke ich. Damit er sich keine unnötigen Sorgen machen muss rufe ich schnell zurück.

Mein Vater geht sofort dran. Mit einer zittrigen Stimme sagt er, dass ich mit dem nächsten Zug oder Flug nach Hause kommen soll. Einen Augenblick lang höre ich mein Herz ganz laut schlagen. Ich verstehe, was er mir sagen will ohne weitere Fragen stellen zu müssen.
Dann weint er und sagt: “Deine Großmutter ist gegangen, sie ist gegangen mein Sohn.” Plötzlich höre ich mein Herz schneller und lauter pochen. Meine Befürchtung hatte sich bewahrheitet. Eine Welt geht in mir unter. Doch ich muss mich zusammenreißen. Nach dem ich meinem Vater versichere, dass ich so schnell wie möglich kommen werde verabschieden wir uns.

Kaum zu Hause angekommen gebe ich den Versuch ein Flugticket für den Abend kaufen zu wollen auf. Es fliegt nichts mehr. Bei der Bahn klappt der Onlinekauf auch nicht, weil ich keine Kreditkarte besitze. Schnell alles wichtige reingestopft greif ich mir den Koffer und mache mich schon mal auf den Weg zum nächsten Bahnhof. Unterwegs buche ich dann endlich bei der Bahn kurzfristig das Ticket.

Ich sitze am Bahnhof und gucke vor mich hin. Erst langsam realisiere ich den tragischen Verlust meiner Großmutter. Es fühlt sich für mich fast so an, als wäre die Welt stehen geblieben. Mental bin ich in einem schlechten Zustand. Mir ist kalt und mein ganzer Körper fängt an ungewöhnlich stark zu zittern.

Plötzlich bemerke ich die vielen Menschen am Bahnhof um mich herum. Sie gehen alle ihrem Alltag nach, so als wäre nichts gewesen. Der eine eilt mit seinem Trolli zum Gleis. Der andere wiederum sitzt mit seinen Kopfhörern im Ohr vor mir und beißt in sein belegtes Brötchen. Eine junge Frau versucht gerade ihrem Freund, der etwas größer ist als sie, einen Kuss auf die Wange zu drücken. Ich stelle mit schmerz fest, dass Leben geht weiter!

(Noch unterwegs gen Dortmund geschrieben um das frisch Geschehene zu verarbeiten, 19.10.2011, 22:45 Uhr.)

In Bewegung

Oktober 16th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Es ist ganz früh morgens. Vielleicht kurz nach sechs. Stockdunkel. Der Gebetsruf eines Zimmerkameraden hat mich aus dem kurzen Schlaf gerissen. Der Ruf ertönt in einem angenehmen, weichen Ton. Links neben meinem Bett erblicke ich, dass die Tür weit geöffnet und aus dem beleuchteten Flur Licht in unser Zimmer hineinströmt. Wir sind zu sechs in dem Herbergszimmer, einer bereits hellwach, steht im Flur und macht den Gebetsruf um auch den Rest zum morgendlichen Gebet zu wecken.

Wir haben eine lange Nacht hinter uns und umso wenig Schlaf. Wenn dann auch der Letzte seine rituelle Waschung verrichtet hat geht es in den Herbergsraum der während der Konferenz als Gebetsraum dient. Während die einen nach dem Gebet sich für einen kurzen Schlaf wieder in ihre Betten flüchten, begeben sich andere nach Draußen in die morgendliche Kälte für einen Spaziergang. Ausgeschlafen, frische Luft geschnappt und dann auch letztlich gefrühstückt – volle Fahrt voraus für die diesjährige Zahnräder Konferenz!

Über hundert Menschen aus der Republik haben sich in Petershagen getroffen. Haben bis zur Abschlusswahl für ihre Projekte geworben, neue Kontakte knüpfen und netzwerken können. Zwischen den vielen parallel laufenden Projektvorstellungen bin ich hin und her geeilt von einem Seminarraum in den nächsten mit der Aufgabe Fotos zu schießen. Es wurde viel diskutiert aber auch konstruktive Kritik geäußert.

Viele Projekte und Vorträge haben auch traditionell muslimische Probleme thematisiert und Lösungsansätze gegeben. Beispielsweise wurde die Opferrolle die viele Muslime annehmen kritisiert und die Wirkung von Bildern und des Lächelns betont. Das Projekt „Meet your wife / husband“ befasste sich mit den vielen Singles innerhalb der muslimischen Community und regte zur Diskussion an. Auffällig war, dass fast alle Interessenten des Projekts männliche Teilnehmer waren und das Thema an sich für Frauen eher peinlich ist.

Am Ende erhielt das Projekt „Saafi – Preis zur Anerkennung ehrenamtlichen Engagements“ den dritten Platz und damit den Gewinnpreis in Höhe von tausend Euro. „HIMA – Umwelt- & Naturschutz aus islamischer Perspektive“ belegte den zweiten Platz mit 1500€. Den ersten Platz belegte „I-Slam“ und wurde damit von den TeilnehmerInnen mit dem Gewinnpreis in Höhe von 2000 € zum Sieger gekürt.

Augenblicke #3

September 25th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Zahnräder Konferenz 2011

August 22nd, 2011 § 1 Kommentar

Es ist eine Konferenz bei der über hundert Muslime zusammen kommen. Sie alle haben produktive Ideen und konstruktive Projekte mit dabei. Wollen diese teilen, dafür werben, sich mit den anderen austauschen und vor allem sich vernetzen.

Zahnräder ist das bundesweite Netzwerk aktiver und engagierter Muslime. Es ist eine Plattform die Muslimen aus der ganzen Republik eine professionelle Arbeit mit Gleichgesinnten ermöglicht. Das Ziel ist es, diverse Ideen, Kompetenzen und Kapazitäten zusammenzuführen und diese für das Allgemeinwohl zu nutzen. Von Muslimen für die Gesellschaft lautet das Motto. Das Netzwerk möchte einen positiven Beitrag aus muslimischer Seite für die deutsche Gesellschaft leisten. Denn auch Muslime sind längst Teil der Gesellschaft und gestalten aktiv mit.

Das Herz des Netzwerkes bildet die Konferenz. Letztes Jahr hatte man bei einer guten Atmosphäre die Möglichkeit mit den anderen ins Gespräch zukommen und sich inspirieren zu lassen. Nicht das eigene Projekt stand im Vordergrund, sondern der Austausch und die Gelegenheit zusammen aus den Ideen was besseres, professionelles zu gestalten. Zusammen erreicht man eben viel mehr.

Zahnräder Konferenz 2010

Ich bin letztes Jahr mit einem unguten Gefühl zur Konferenz gefahren. Ist das Niveau doch nicht zu hoch für dich?, fragte ich mich unsicher. Werden sie über mein Projekt lachen? Kann ich mit den anderen Teilnehmern überhaupt mithalten? Diese Fragen haben mich verunsichert. Doch letztlich wollte ich dahin. Wie wollte ich mich sonst weiterentwickeln, meine Hemmungen überwinden, wenn ich mich erst gar nicht getraut hätte? Meine Neugier war dann doch größer und ich nahm dran teil.

Das Projekt, womit ich mich beworben hatte war nicht zentrales Thema. Wir haben es vorgestellt, die Teilnehmer haben gelobt, diskutiert und fertig. Es war nur eine Nebensache. Das tolle war, dass ich viele kompetente und engagierte Leute kennen lernen, interessanten Diskussionen lauschen und mit vielen Ideen nach Hause gehen durfte. Mit viel Engagement und Freude diskutierten die Teilnehmer über Ideen und Projekte. Keiner fragte nach dem Warum. Es war selbstverständlich, dass wir etwas für die Gesellschaft taten. Die Frage drehte sich viel mehr um das Wie.

Ich werde die nächsten Tage auch für die diesjährige Konferenz meine Bewerbung einreichen. Freuen würde ich mich, wenn auch Ihr euch vor Ort sehen lassen würdet. Bewerben kann man sich mit einem simplen Projekt oder einem Vortrag zu Ideen und Visionen denen übrigens keine Grenzen gesetzt sind. Auch letztes Jahr waren sehr vielfältige Projekte vorgestellt worden die über Kunst bis Feminismus reichten. Es ist keine große Sache paar Minuten über sein Projekt zu erzählen. Das Projekt oder der Vortrag soll nur einen Impuls geben, die dann mit den Interessierten zusammen weiter entwickelt und ausgearbeitet wird. Wichtig ist es produktiv zu sein, aktiv statt passiv. Verpasst dieses großartige Event nicht. Seit dabei und mischt kräftig mit!

Weitere Infos gibt es HIER.

Augenblicke #2

August 10th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Augenblicke

August 3rd, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Warnung aus Norwegen

Juli 26th, 2011 § 2 Kommentare

Eine Zeit lang war wahrzunehmen, dass viele Muslime ein ungutes Gefühl hegten nach den ersten Meldungen über den Anschlag in Norwegen. Sie haben befürchtet, dass dieser Anschlag schon wieder „islamisch“ motiviert sein könnte. Dies hätte wieder eine heftige Diskussion über Islam und der von ihr ausgehenden vermeintlichen Gefahr ausgelöst und damit wieder alle Muslime unter Generalverdacht gestellt. Wieder hätten wir im TV Bilder zu sehen bekommen, die in ihrer Kernaussage Muslime gleich Terroristen gleich käme.

Er war ein bisschen “Glück” im Unglück der Anschlag in Norwegen aus folgender Perspektive. Nicht, dass deswegen der Anschlag OK sei. Die unmenschliche Tat eines norwegischen Attentäters soll hier nicht verharmlost werden. Nein, natürlich sind solche Anschläge, egal welcher Richtung, große Verbrechen und unter keinen Umständen zu tolerieren. Viel mehr geht es um seine Folgen.

Die Muslime durften ein wenig aufatmen als der Verdacht eines islamistischen Anschlags sich als falsch erwies. Diesmal dürften die Medien keine Ängste schüren gegen Islam und Muslime. Eine kleine Erleichterung. Eine gezielte Verunglimpfung soll uns erspart bleiben.

Dieser Anschlag hat eine kleine Wende gebracht. Dafür gesorgt, dass der Horizont vieler jetzt weiter reicht. Aber warum musste erst ein Kranker fast 80 Menschen das Leben nehmen, damit hierzulande Vorurteile gegen eine gezielte Gruppe in sich zusammen brechen? Der Anschlag in Norwegen hat viele Europäer in ihrer Überzeugung tief erschüttert. Kein langbärtiger Turbanträger war es, sondern ein blonder, blauäugiger Norweger. Es war kein rückständiger Mohammedaner, nein, es war ein fundamentalistischer Christ. Das Bild des Bösen hat sich gewendet.

In den letzten Jahren wurde mehrfach auf steigenden Islam- und Fremdenhass in Europa aufmerksam gemacht. Vergeblich. Die antiislam Propaganda wurde immer wieder mit dem Verweis auf die Meinungsfreiheit geduldet. Selbsternannte Islamkritiker und Multikulti-Gegner wussten dies zu nutzen und profitierten sowohl finanziell als auch politisch. Allen voran Frau Merkel und Herr Seehofer erklärten Multikulti als gescheitert um politischen Rückhalt bei der sich immer weiter nach rechts bewegenden gesellschaftlichen Mitte zu gewinnen. Thilo Sarrazin zeigte offen mit dem Zeigefinger auf Muslime und Migranten, machte sie für die Abschaffung des Landes verantwortlich, bekam unnötige Aufmerksamkeit und konnte letztendlich durch den Verkauf seines Pamphlets und die vielen TV-Auftritte sein Vermögen deutlich mehren. Als „gutgläubig“ wurden jene abgestempelt, die für eine tolerante und offene Gesellschaft appellierten.

Freuen kann man sich nun über Aussagen wie Der Anschlag in Norwegen hat nichts mit dem Christentum zu tun. Genauso wenig, wie ein Islamist mit dem Islam zu tun hat. Man ist heute endlich fähig zu differenzieren und Anschläge von Fundamentalisten nicht gleich einer ganzen Religionsgemeinschaft in die Schuhe zu schieben. Doch gänzlich falsch ist es, die Tat des norwegischen Attentäters auf einen Einzeltäter zu reduzieren. Es ist viel mehr die Ursache des immer weiter steigenden Hasses gegen Fremde und der Angst vor der vermeintlichen “Islamisierung”. Ein Blick ins Internet genügt. Hier findet man viele Menschen die dieselben Theorien mit dem norwegischen Attentäter teilen. Es ist nur eine Frage der Zeit bis auch sie sich in ihre kruden Theorien so weit reingesteigert haben, bis sie letztlich zuschlagen.

Es ist nicht gerecht solche Taten dem Christentum zuzuschreiben. Terrorismus hat keine Religion. Überhaupt hat so was wenig mit Menschlichkeit oder Glauben zu tun. Sie ist ein gefährliches Gemisch aus Angst und Hass. Ein Gemisch aus übersteigertem Patriotismus und dem Glauben anderen Menschen überlegen zu sein. Vorurteile und Ängste zu schüren bringt keinen von uns weiter.

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